GameNow WP Theme

Dark Light
Interview #15: Koolhy (EP Preview)

Der Wittener Rapper Koolhy releast am 1. Januar seine EP „Um zu zeigen wer ich bin“, die 19 Tracks umfassen soll und Features wie Richter, Da Chilla, Jeaw, Sam Steely, Deay, e-menz, ZoK, Das W und Lisa umfasst. So gab er uns zwei Tage vor Release noch einmal ein Interview, in dem er über die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Tracks aufklärt.

Coverfree-rap.de: Yo Koolhy, du hast mir ja schon gestern geschrieben, dass du etwas Bammel vor dem Release hast. Was unterscheidet die EP von deinen bisherigen Releases?

Koolhy: Hallo erstmal. Ja, der Unterschied liegt darin, dass der Druck bei dem Erreichen eines gewissen Bekanntheitsgrades einfach enorm groß ist, man will es allen Ohren Recht machen. Ob das geklappt hat, wissen wir, wenn die EP draußen ist.

free-rap.de: Du hast in den letzten Jahren ja schon so einiges an Alben und EP’s gedroppt, die im Internet mittlerweile aber nicht mehr zu beziehen sind. In unserem ersten Interview hast du gesagt, dass du diese „am liebsten aus deiner Laufbahn streichen würdest“. Wirst du dieses Mal hinter der EP stehen bleiben?

Koolhy: Oh ja, ich bin selbst sehr zufrieden mit dem Tape. „Um zu zeigen wer ich bin“ ist bisher mein persönlichstes Release. Im Laufe seiner Laufbahn entwickelt man sich ja immer weiter… Und die EP ist der erste Schritt von vielen in eine neue musikalische Zukunft. Deshalb will ich die Platte auch nicht missen, ganz egal, wie viel Anklang sie finden wird. Ich bin zufrieden, vor allem weil ich mit dem großen Druck meiner Meinung nach sehr gut umgegangen bin.

free-rap.de: Ich hatte die Möglichkeit, vorab schon mal in eine Pre-Version der EP reinzuhören, und kann nur stützen, was du bereits angesprochen hast – „Um zu zeigen wer ich bin“ ist eines der persönlichsten Releases, die ich je gehört habe. Das ist ja ziemlich untypisch für viele Musiker, die einen klaren Strich zwischen ihrer Musik und ihrem Privatleben ziehen. Machst du dir gar keine Gedanken darüber, wie viel der Hörer über dich und dein Leben erfährt?

Koolhy: Ich sags mal so, ich wollte nie meine Seele oder sonst was verkaufen, denn das Geschäft ist so schnelllebig. Ich bin nicht der große Doubletimerapper oder derjenige, der die Mega-Vergleiche bringt. Ich sage in einem meiner Tracks: „Zeig mir ein MC, der in dieser Szene echter ist“. Und so denke ich auch. Das ist mein Ding, man soll Wahrheit und Koolhy verbinden. Fav ist der Kranke, Kollegah was weiß ich…wohl der beste deutsche Rapper was Vergleiche angeht. Ich will mich nicht mit diesen Leuten auf eine Stufe stellen, aber wenn man keinen Charakter in seiner Musik zeigt, geht man unter. Daher bin ich Koolhy, der Junge aus dem Pott, der halt das erzählt, worüber andere schweigen. Realness ist wichtig, nur so wird aus einem was, und deshalb mache ich mir darum überhaupt keine Sorgen. Der einzige Nachteil ist eventuell, dass einem nach einiger Zeit die Themen ausgehen. Wie es im Kindergarten war, will ich ja nicht unbedingt erzählen (lacht).

free-rap.de: Eines der Highlights der EP ist sicherlich die Aussöhnung mit deinem ersten Rappartner ZoK, mit dem du deine ersten beiden Alben „Rocky vs. Einzelkampf“ und „Witten City Rap“ gedroppt hast. Wie seid ihr wieder zusammengekommen?

Koolhy: Das wurde ja auch mal Zeit (lacht). Markus und ich haben uns damals aus musikalischen und auch persönlichen Gründen distanziert. Bei einigen Gigs von mir wurde ich auch immer wieder angesprochen, was denn nun mit uns beiden ist. Ich habe diese Frage immer mit einem verschmitzten „Das geht euch nichts an“ beantwortet. Doch nach einiger Zeit macht man sich dann auch einen Kopf. In Witten und Umgebung kannte man nur Koolhy und ZoK. Auf einer Party, auf der wir beide anwesend waren, haben wir uns dann ein Bier geschnappt und über alles gelabert. Vier Tage später saßen wir im Studio und haben den Track für meine EP gedroppt, um zu zeigen, dass nichts auf der Welt auseinanderbringen kann, was zusammengehört. Auch wenn wir weiterhin andere Ziele verfolgen, ich weiß dass man in Zukunft wieder mehr von uns hört, was auch Zeit wurde, und zwar nicht für das Internet, sondern für den Pott beziehungsweise Witten.

Koolhyfree-rap.de: Du bist zu diesem Zeitpunkt eures Streits ja zu LSX Records gewechselt und erzählst in „Ich wollte den Weg nie gehen“ dann davon, wie du von Gustel bei Elite Recordz gesignt wurdest. War das eine Art Wendepunkt für dich?

Koolhy:“Ich wollte den Weg nie gehen“ ist mein absoluter Lieblingstrack auf der EP. Ich bin damals in der Hoffnung zu LSX gegangen, mit den Jungs etwas ganz Großes zu schaffen, was ja bekanntlich ausblieb. In dem Track erzähle ich alles von Anfang an, sowas wie eine Biographie. Das mit LSX habe ich allerdings ausgelassen, da ich der Meinung bin, dass es kein großer Schritt in Sachen Musik war und ich nur die wichtigsten Punkte erzählen wollte, die mich geprägt haben. Der Part wurde schon von 16 auf 20 Bars verlängert, aber das hat leider nicht mehr ganz drauf gepasst. Das Ende dieses Tracks ist sowas wie ein dickes Dankeschön an die gesamte Elite Crew.

free-rap.de: Beim Hören des Tracks bekommt man teilweise das Gefühl, dass du den Rap eine Zeit lang auch als „Feind“ angesehen hast, weil er dir einige Dinge im Leben verwehrt hat…

Koolhy: Rap ist mein bester Freund und gleichzeitig mein größter Feind. Und weißt du auch warum? Rap ist daran Schuld, dass die Schule auf der Strecke blieb, die Freundin zurück stecken musste und so weiter. Rap ist, mhmm, wie soll ich sagen…eine Droge?! Wenn du nicht gut damit umgehst, kann es dein Leben kaputt machen, du hast deinen Spaß, deinen Erfolg, aber die wichtigsten Punkte im Leben bleiben einfach auf der Strecke. Der Scheiß ist, das peilt man leider erst, wenn es zu spät ist. Und manchmal peilt man es, sieht aber keinen Grund, etwas an der Situation zu ändern, denn es ist ja alles cool wie es ist. Man sitzt zu Hause, Mutter macht Essen, Vater holt Geld, du chillst in der Schule und hast dein Studio und machst hier und da mal einen geilen Track, dass die Leute dich nicht vergessen und dich feiern. Aber später, wenn nichts mehr von dem ist, Haus verkauft, Mutter, Vater tot, Freundin eventuell weg, denkt man sich…alter, das alles nur um in deiner Jugend Spaß zu haben? Und ich bin ehrlich, ich kann bis heute damit nicht umgehen, aber dann ist Rap wieder dein „Freund“, weil man es in Lyrics packen und den Leuten vermitteln kann, was man doch eigentlich für ein Jammerlappen ist.

free-rap.de: In dem Track erzählst du auch von deinen ersten Anfängen, damals noch als „McB“. Warum hast du deinen Namen gewechselt, hat er dir nicht mehr gefallen?

Koolhy: McB (lacht)…jaja, also ganz ehrlich? Ich wusste weder, dass MC etwas mit Rap zutun hat, noch das sich B auf Englisch ein wenig Scheiße anhört. Das war so das erste Jahr, McB hörte sich meiner Meinung nach total cool an. Heute lache ich darüber, wie jetzt, danke die Frage war mir gut (lacht)…Das B war übrigens für Basti, da mein bürgerlicher Name ja Sebastian ist.

free-rap.de: In dem Track „Mittelfinga hoch“ kritisierst du ja unter anderem die verschiedensten Moves der deutschen Heads und die fehlende Loyalität zu ihren Labels. Allerdings ziehst du in der Hook einen Vergleich zwischen deutschem Rap und Volksmusik. Kannst du erklären, wie du darauf kamst?

Koolhy: Oh ja, in dem Track geht es ja darum, wie der Mainstream den wirklichen Rap kaputt macht. Ich kann mir den ganzen Ghettoscheiß echt nicht mehr anhören. Das ist für mich kein Rap, denn das was Rap ausmacht bleibt heutzutage zumeist auf der Strecke, weil es die kleinen Mädchen nicht hören wollen. Würde es einen Rapper geben, der ausschaut wie Bill oder Tom, sich irgendwie Tokio Jugendherberge nennt und es schafft Haus auf Klaus und Maus auf Faust zu reimen, wäre er der absolut beste Newcomer. Was ich damit sagen will ist, dass Rap, also der eigentliche Rap, total am Arsch ist. Hebt für uns, eventuell für mich, die Arme und feiert den normalen Rap, was auch noch Rap ist, weil der ist Volksmusik – alles andere ist Pop oder was weiß ich. Der Track ist eh sehr ironisch aufgebaut, man muss genau hinhören um alles zu verstehen.

free-rap.de: In „Junge Jugend“ hast du zusammen mit Da Chilla über eine andere Seite deiner Vergangenheit erzählt, über eine gute Freundschaft und die kriminellen Seiten deines Lebens. War dieser Freund tatsächlich Da Chilla?

Koolhy: Nein, Da Chilla verkörpert diese Figur nur echt super, da der Kerl fast genau wie er beziehungsweise diese Leute war. Da sich keiner von diesen Menschen vor das Mic stellt und ich Chilla passend für den Track fand, habe ich mich für den Patrick entschieden.

free-rap.de: Ein anderer wirklich harter Song war „In eine bessere Welt“, der mich ziemlich umgehauen hat. Dort rappst du über einen Freund, der sich mit einigen Problemen durch das Leben geschleppt hat und sich schließlich sein Leben nahm. Gab es diese Person wirklich?

Koolhy: Ja, ich wollte schon oft über diese Geschichte schreiben, aber habe halt nie den passenden Beat gehabt, der zu dieser Geschichte optimal passt. Da muss ich 2 Diamonds Beats auch ein Riesenlob aussprechen. Dieser Junge, über den ich rappe, dessen Namen ich natürlich nicht erwähne, hat glaube ich alles durchgemacht, was keiner von uns sich wünscht. Eine Freundin, die ihn eindrückt, dann geht er fremd, und hat die wohl schwerste Krankheit, die man haben kann. Das Ende des Liedes ist ja bekannt. Ich widme ihm diesen Track, und hoffe dass er es auch so gewollt hat, dass ich es so auf Papier bringe. Da ich weiß, dass ich so eine Art von Track von mir noch nicht wirklich gibt, werden die Hörer auch bemerken, wie ernst mir die Sache ist und diesen Track deshalb mit einem gewissen Respekt betrachten.

Koolhyfree-rap.de: Ein Track, der meiner Meinung nach gar nicht so richtig in das Konzept der EP passte, war Nonstop Sex. Wolltest du mit dem Ding das Release ein bisschen auflockern oder was war deine Intention dabei?

Koolhy: Genau so ist es. Ich kann ja mal kurz ein bisschen darüber erzählen. Meine Freundin und ich haben bei mir gechillt und ich habe meinen Laptop durchstöbert und diesen Beat gefunden. Ich habe ihn abgespielt und meine Freundin hat dazu getanzt. Ich fand den Beat auf einmal genial, hab angefangen zu schreiben, hab weiter gerappt und sie hat mir immer neue Inspirationen gegeben, wenn du verstehst (lacht). Ja, dann habe ich den Track eingerappt und fand ihn geil. Und mit geil, meine ich beide Arten von geil (lacht wieder). Ich hab das Ding Gustel gezeigt und dann haben wir die Hook von Sam Steely klar gemacht. Dann fragte ich Deay, der dann die gewisse Erotik super weiter in seinem Part verkörpert. Und schwupp, war der Track ready. Und ja.. das Ding ist zum auflockern, aber mal ehrlich… das bin ich ja auch, sind wir Männer nicht alle gleich (lacht)?!

free-rap.de: In „Wer braucht Arbeit?“ kritisiert du einige bekannte TV-Formate wie beispielsweise Supertalent oder Wer wird Millionär, die immer wieder Diskussionen in unserer Gesellschaft aufwerfen und in denen man schnell viel Geld verdienen kann. Siehst du das Fernsehen eventuell auch als Ausweg, sollte es mit der Musik nicht klappen?

Koolhy: Sehr gute Frage (lacht)… Also, ich würde nicht nein sagen, aber ich will mit diesem Track einfach nur sagen: Ja, ich bin eine faule Sau! Aber der andere Faktor ist, dass es viel zu viele Leute gibt, die dem Staat auf der Tasche liegen und ihr Geld dann durch irgendwelchen Fernsehscheiß machen. We are Family, bestes Beispiel (lacht). In dem Track verkörper ich einen Menschen, der glaubt reich und fame durch das Fernsehen zu werden. Du weißt ja, Hartz 4 ist out! Geht zum TV und ihr werdet alle reich und fame (lacht).

free-rap.de: Wir hatten ja bereits angesprochen, dass Elites neuestes Signing Deay auf zweien der Tracks auf der EP vertreten ist. Siehst du Deay als perfekte Ergänzung eures Labels?

Koolhy: Ich bin ein riesiger Fan von Deay. Ich liebe diesen Mann, besseres hätte uns nicht passieren können. Perfekt, gute Arbeit gemacht den Jungen zu holen. Deswegen ist der auch zwei Mal auf meiner EP drauf, weil es einfach nur geil passt, genauso wie bei den anderen Jungs…eine große Familie. Wir haben nur Jungs bei uns in den Reihen, die genauso kaputt sind wie ich und die gleichen Ziele verfolgen. Die einen mehr, die anderen weniger…(hust)…Jayden…(lacht).

free-rap.de: Werdet ihr nach dem Release noch ein Video zur EP aufnehmen?

Koolhy: Wenn Gustel mir gleich Kippen zuschickt … Ne Spaß, ja machen wir. Wir haben uns zusammen gesetzt und uns gedacht, wir machen ein Video zu dem Track, der am meisten Anklang findet. Was bei Nonstop Sex schwer werden könnte, aber naja, dafür gibt es ja Youporn nä (lacht)?!

free-rap.de: Welche Projekte stehen bei dir in diesem Jahr denn noch an?  Ich hatte ja letztes Mal schon gefragt, ob es einen Labelsampler geben wird?

Koolhy: Ja, den wird es geben, aber erst Mitte dieses Jahres denke ich. Naja, und um mich? Da wird es denke ich in Zukunft ein bisschen ruhiger, ich will nun schon ein bisschen mein Leben auf die Kette bekommen. Nebenbei möchte ich aber trotzdem an einem Album arbeiten, was dieses wieder um Längen übertreffen soll. Eine schwere Aufgabe, aber Ziele sind ja dafür da, um gemeistert zu werden. Also, das nächste Release von mir steht in den Sternen, auch wenn ich dran arbeite.

free-rap.de: Dann bedanke ich mich bei dir für das Interview und habe mich wirklich sehr darüber gefreut, vorab schon einmal in deine EP reinhören zu dürfen. Von meiner Seite gibts deshalb hier auch ne Downloadempfehlung, denn das Ding ist wirklich alles andere als Mainstream. Was sagst du dazu?

Koolhy: Also, ich bedanke mich für dieses wirklich coole Interview, wünsche allen einen guten Rutsch und bedanke mich bei denen, die mir bei der EP unglaublich geholfen haben. Ladet die EP und zeigt, wer Koolhy ist. In dem Sinne… Holla Amigos.

Links:

MySpace von Koolhy

Homepage von Elite Recordz

VN:F [1.7.7_1013]
Rating: +8 (from 8 votes)
Diesen Artikel bookmarken oder einem Freund mailen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Ask
  • Facebook
  • MySpace
  • LinkedIn
  • Google Bookmarks
  • SEOigg
  • TwitThis
  • email
2 Kommentare
  • Pierredesigns.de
    31. Dezember 2009
    #1

    Fettes Cover und dann auch noch mit meinem Händen gebastelt… ;) viel erfolt damit!
    pierredesigns.de

  • Kizmo
    4. Januar 2010
    #2

    Wenn ich ganz ehrlich sein darf hauts mich nicht von den socken weil ein teil der tracks für Zeilen für Deutschland Ep aus dem februar waren und ich echt stinkig auf Koolhy bin das der überall meine parts weggemacht hat naja fuck on it.

Einen Kommentar hinterlassen: